Block
Do
27
Okt
2011
Kastanienträger
Neben wilden Mohn blühte einst eine Zeit voller Eifer und Lebendigkeit. Ungebrochen war die Entschlossenheit zur Unentschlossenheit. Es war eine Ära der Mutproben und Wagnisse. Am frischen Grün unseres Frühlings rieben wir unsere Sinne und qualmten unsere Freiheit sorglos in den hellgrauen Malboro – Himmel. Abseits und unbeachtet aller Alltagsphilosophien. Ohne schlechtem Gewissen schmatzte das Bier am Morgen und vermochte dennoch nicht den Durst zu stillen.
Und ganz plötzlich wurden wir alt, lesen Web.de Annoncen und begeistern uns im Supermarkt auf der Verpackungsrückseite an Grillkäserezepten mit Pinienkernen auf Balsamicochampignons. Und während ich schon selbstgestrickte Pullover geschenkt bekomme und Pilze vom Wochenmarkt für die stets vorausgeplante Gemüsesuppe trockne, frage ich mich wie das weiter geht. Kürzlich haben wir nach einer durchzechten Nacht die letzte White Russian Runde in der Stammbar durch Pommes mit Mayonnaise ersetzt. Auf unserem Tisch hatte ich wenige Minuten zuvor eine Kastanie gefunden und gleich eingesteckt. Verblüfft drehte sich eine Freundin mit der Frage zu mir, ob ich auch Kastanienträger sei, um dann ihre Kastanie aus der Hosentasche zu ziehen und stolz zu zeigen. Kein Zufall, denn wir alle sind wohl im Herbst angekommen.
Di
04
Okt
2011
Und der Gewinner ist...
Mit heutigem Tage endet das große The Museum of Modern Art Gewinnspiel. Vielen Dank für eure kreativen Einfälle. Gewonnen haben diese beiden Einsendungen von theralf und T-Alc. Alle restlichen Einsender erhalten bei Bedarf von mir selbst ausgewählte Trostpreise.
"Giesela war hocherfreut, als der Monteur doch noch kam, um den Badeofen zu reparieren!"
und
"Sie (25) jung, hübsch und immer ein Lächeln auf den Lippen sucht Ihn, sofern er sich Putzmittel und warmes Wasser leisten kann. (Vermiete auch schöne Zimmer neben einer Arztpraxis! - nur Geringe Gegenleistung)"
Di
20
Sep
2011
Fukushima II
Am Anfang war das Partybeben, dann brach die Bierflut über die kleine Rheininsel herrhein. Zum Schluss explodierte der gefühlsbeladene Hochzeitsreaktor. Gott sei Dank keine Verletzten, jedoch totale Kernschmelze auf der Tanzfläche. Vielen Dank an meinen Dj Companion, das Brautpaar, den Kaffeekellner für den DJ, das erlesene Catering und die sich bis zur Erschöpfung geißelnde Tanzgesellschaft.
Fr
16
Sep
2011
Schlüpfertanz, MRT und Rock'n Roll
Nur eine Stunde nach meiner Entlassung aus dem Hospital stehe ich auf einer riesigen Party am Grill und werde von allen nur Grillmeister genannt. Welch unverhoffte Wendung des Schicksaals. Und obwohl ich mit einem reizenden Frauenzimmer gemeinsam den 3. Platz im Schlüpfertanz gewinne, brennt nichts an. Mit dem vollen Bierglas in der Hand erzähle ich Geschichten von damals, während ich die Steaks und Würste wende. Noch vor 24 Stunden hing ich am Tropf, nun am nächsten Pils. Ich war der Liebling der Station. Auf die Frage nach einer dritten Scheibe Käse zu den vier Scheiben Brot bekam ich aus der Küche die Antwort „ das bekommen wir bei unserem Chef nicht durch“. Harte Zeiten, wenn man nicht privatversichert ist. Gleich geht es zu einer weiteren poststationären Untersuchung ins Krankenhaus. Heut steht Magnetresonanztomographie auf dem Plan. Danach geht’s in Richtung Mainz, wo ich am Samstag auf einer kleinen Flussinsel wiedermal als Hochzeits DJ auflege. Dann war ich immerhin ganze 24 Stunden zu Hause.
Sa
10
Sep
2011
Endstation Vollpension
Es ist vollbracht. Zumindest ich konnte mich gestern aus dem amerikanischen Krisengebiet retten. Ein kleiner Teilerfolg einer insgesamt sehr kräftezehrenden Hilfsaktion. Die einzelnen Bundesstaaten der USA mitgerechnet, habe ich in diesem Jahr ganze 19 Länder auf drei Kontinenten zu retten versucht. Eine enttäuschende Bilanz ist alles was bleibt. 19 Schuss, kein Treffer. Das Jahr 2011 wird wohl nicht in die Geschichte deutscher Errungenschaften in der Kategorie Hilfe im Ausland eingehen. Als ich gestern Abend von einem Pfleger im Rollstuhl durch das Krankenhaus gefahren werde, in dem ich jetzt auf Station 70 liege, wird mir erstmals richtig bewusst, dass Rettungsaktionen wohl nichts für mich sind. Nun bin ich auf Hilfe angewiesen. Zuvor hatte man in der Notaufnahme entschieden, mich besser kennen lernen zu wollen. Nach stundenlangen Untersuchungen in der Nacht, warte ich nun auf die Nachtschwester, die mir die nächste Infusion legt. Endstation Vollpension.
Di
06
Sep
2011
Unter Drogen
Es ist kalt geworden in New York City. Zu kalt. Und es regnet seit Anbruch des Tages. Eine Stunde war ich mit meinem inzwischen völlig zerstörten Regenschirm ( 1$ aus Atlantic City) auf der Suche nach einem Starbucks, welcher nicht wegen Überfüllung geschlossen hat. Alles steht wieder einmal unter Wasser. In „ I love New York“ - Ponchos sieht man Touristen durch die Rush Hour stürzen. Ich frage mich, was sie wohl mehr lieben, den unablässigen Regenschauer oder die halb metertiefen Wasserlöcher in den Straßen, aus denen es nun immer wieder verschreckt und zumeist ausländisch aufschreit. Eine rastlos überfrachtete Frau ruft auf deutsch laut „Scheiße“, als sie sich beim ausbalancieren ihrer Marschroute grob verschätzt und im halben Meter landet. Ihr Schlachtruf erinnert mich an die Heimat. In den letzten Tage habe ich mich in irgendeinem Club am Nachtfieber angesteckt und habe nun selbst welches, nur eben ganztägig. Und während ich diese Zeilen schreibe, wirkt bereits die 5$ Medizin aus dem Supermarkt. Kleine weiße Kapseln, empfohlen von der Verkäuferin, die anfing den Flur zu wischen, nachdem ich bezahlt hatte. Schlimmer kann es nicht werden und wozu bin eigentlich im Ausland krankenversichert? Es sind die letzten Tage in New York. Und so sitze ich hier im Starbucks mit meinem Bohnenkaffee, meinen vom Regen durchnässten Jeans, unter Drogen stehend uns sehe ein, dass nach Lampedusa auch diese Rettungsaktion gescheitert ist.
Sa
03
Sep
2011
Traumland
Treibjagd zum Himmel mit eiskaltem Dollar und Stahl,
und ein taumelnder Pulk zwischen Licht und Schatten.
Inmitten steiler Höhen martert Hoffnung am Pfahl,
im Zentrum der Welt, der Macht und Kanalratten.
Und es schwitzt Dreck aus nasskalt-offenen Wunden,
Dampf aus der Tiefe verbrennt masochistische Leiden.
Degradiert vom Menschen zum blind-wartenden Kunden,
auf den Wireless-Gourmet-Diät-Zucker–Shake-Weiden.
Im lähmenden Stau fremder Emotionen fiebern Fantasien,
und vulgär-verrückte Illusionen wurzeln souverän im Sand,
sie blenden echtes Leben mit falschen Kopien!
Im Spezial-4D-Happy-Frapouccino-Discount-Traumland.
Do
01
Sep
2011
New Design! / Neues Design!
I am much obliged to Albina for this really great design. It tells the true history of Ronko Zar. The complete story about how he found the first electric guitar on the moon comming soon ... and only on this website! Thank you very much Albina. I'm looking forward to our upcoming Ouzo Night in Staten Island.
Ein herzlichen Dank an Albina fuer dieses wirklich großartige Design. Es erzählt die wahre Geschichte über Ronko Zar. Die komplette Story, wie er die erste E – Gitarre auf dem Mond fand, kommt in Bälde … und nur auf dieser Webseite! Vielen Dank Albina. Ich freue mich auf unsere anstehende Ouzo Nacht in Staten Island.
So
28
Aug
2011
We made it!
Queens, 11.30 Uhr Mittag. Ein Nachbar tritt in Schlappen und kurzen Hosen aus seiner Haustür. Alle haben sich auf der Straße versammelt. „We made it“, ruft er uns zu und kehrt wieder ins Haus zurück. Ein richtiger Amerikaner. Yeah, wir haben den Sturm bezwungen. Viel Aufsehen verursacht ein Feuerwehreinsatz direkt vor unserer Haustür. Ganze 6 Mann mit kompletter Ausrüstung kommen um einen umgestürzten Baum, der auf einem Auto und überirdischen Kabelleitungen liegt, mit gelben Sperrband zu sichern. Ein bisschen Spaß muss sein. Gegen Morgen hat sich der Rest des Hurrikans durch unseren Block geschoben. Keine Personenschäden. We made it.
direkt vor unserer Haustuer
Sa
27
Aug
2011
Die letzten zwei Thunfischdosen
Seit einigen Minuten ist Dunkelheit über New York hereingebrochen. Den ganzen Tag über hat es leichten Regen gegeben, jetzt wird er immer stärker. Erste Ausläufer des Hurrikans erreichen die Stadt. Und Roland Emmerich hatte Unrecht. Bis auf die Nachrichten entstand nirgendwo Panik. Da ich in der weißen/sicheren Zone wohne, wurde ich nicht evakuiert. Am Morgen war ich selbst zu Hamsterkäufen aufgebrochen, so wie die ganze Nachbarschaft. Die meisten sicherten sich dutzende Wasserflaschen. Ich hab noch mehr Bier gekauft. Neben Bananen und Eiscreme war auch das Klopapier ausverkauft, wobei sich mir die Verbindung zum Hurrikan nicht ganz erschließt. Die letzten zwei Thunfischdosen habe ich mir gesichert. Eigentlich brauche ich sie gar nicht. Jetzt habe ich aber ein sicheres Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Am Mittag wurde zusätzlich zur U – bahn auch der komplette Busverkehr lahmgelegt. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten und Bier zu trinken.














